Evangelisation

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CDH-Stephanus setzt sich für die Verbreitung und Förderung der frohen Botschaft durch Schrift, Bild und Ton, sowie Abhaltung von Seminaren und Schulungen für Sonntagsschulleiter, Pastoren und Evangelisten ein. Wir unterstützen die Evangelisationsarbeit in Gefängnissen und anderen Einrichtungen, so wie Evangelisation unter vom Aussterben bedrohten Nordvölkern in Sibirien. Auch diese Projekte brauchen viel Einsatz und vor allem finanzielle Mittel, da manche Regionen nur mit dem Flugzeug oder dem Hubschrauber zu erreichen sind.

Missionar Wladimir Kisselew

Wladimir Kisselew wuchs in armen Verhältnissen auf. Die Mutter war mit der Erziehung der Kinder überfordert, so befand er sich meist auf der Straße und wurde auf Grund einer Schlägerei mit einem Polizisten zu 8 Jahren Haft verurteilt. Insgesamt verbrachter er, mit kurzen Unterbrechungen, 30 Jahre in der Haft. In einem Autounfall, der seinem Freund das Leben kostete, verlor er ein Bein. Danach verbrachte er dennoch 10 Jahre im Gefängnis, wo er sich nach einem Herzinfarkt zu Gott bekehrte. Seit dem leistet er sehr große Evangelisationsarbeit unter Gefangenen der Russischen Föderation.

Ein Zeugnis von Wladimir Kisselew

Ich wohnte in einer Familie mit Mutter, Vater und Schwestern. Ständige Trauer und Trübsal herrschten in unserem Haus, wo die Mutter über ihre Kräfte hinaus den Alltag meisterte. Die meiste Zeit verbrachte ich draußen auf der Straße. Einmal nach einer Schlägerei mit einem Polizisten auf einem Tanzplatz wurde ich zu meiner ersten Strafe – 8 Jahre verurteilt. Damals konnte ich mir nicht denken, wie ewig sich diese erste Haft hinziehen würde, lange 30 Jahre, wenn man die kurzen Unterbrechungen in der Freiheit nicht mitrechnet. Später starben Vater und Mutter. Die Schwestern haben sich von mir juristisch losgesagt, weil sie sich mit solcher Verwandtschaft nicht beschmutzen wollten. Ich lebte nach eigenen Vorstellungen und meinte, solche wie ich bräuchten keine Familie. Die Familie hatte ich ja gehabt, doch niemand konnte mir die Liebe und die Wärme geben, die mich vor all der Brutalität, Sinnlosigkeit und Konflikten mit dem Gesetz beschützen konnten.

Keiner kümmerte sich um mich. Meine Freiheit und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung fand ich auf der Straße. Ich hatte Glück, das bedeutete, viele wollten mir ähnlich sein, sie beneideten und bewunderten mich. Auch nach der Schlägerei mit dem Polizisten, als ich in die Haft gekommen war, verließ mich dieses “Glück” nicht. Neben mir war ein Verbrecher, der schon zweimal in Haft war, solche hielt man dort in Ehre, wir lernten uns näher kennen. Bald bekam ich Schinken, Zigaretten, Tee, welche mein Freund durch Kartenspiele gewonnen hatte. So tauchte ich im Jahre 1963 im Gefängnis unter und tauchte 1993 wieder auf. Darum kann ich mit voller Verantwortung sagen, wer den Weg einmal angeschlagen hat, kommt nicht mehr von ihm ab. Er wird wie ein Pony im geschlossenen Kreis laufen. Der Satan lässt nicht einen einzigen von ihnen los. Er ist der Fürst dieser Welt. Ganz gleich, wo ich hinfahre – nach Murmaschi, Ufa, Kolyma – überall finde ich die gleichen Gesichter, sie kommen von einer Strafanstalt in die andere. In mancher ist das Leben ein wenig besser, in anderen ein wenig schlechter, doch sie sind in der Haft. Das ist ihr Platz und nur Christus kann sie aus diesem Ort herausreißen.

Gott fand mich in der Haft im Jahre 1991. Ich kam dahin nach einem Autounfall. Ich kam gerade aus der vorherigen Haft und feierte dieses Ereignis mit meinem Freund. Und dann verunglückten wir auf der Schnellstraße nach Kiew. Mein Freund starb am dritten Tag. Mir wurde dabei das Bein abgerissen. Zwei Jahre verbrachte ich im Krankenhaus, manchmal wollte ich mir das Leben nehmen, doch dann dachte ich: “es macht nichts, so komme ich wenigstens nicht mehr ins Gefängnis”. Von wegen. Ich verbrachte danach noch 10 Jahre in Haft. Als ich dann wieder ins Gefängnis kam, bemerkte ich eine “Familie” aus 7 Menschen. Sie verhielten sich irgendwie besonders. Sie fluchen nicht. Wenn man sie schlägt, schlagen sie nicht zurück. Ich habe sie nicht geschont und schlug sie immer und sie antworteten mir darauf mit Worten: “Bewahre dich Gott!”.

Einmal spielte ich mit einem von diesen Gläubigen Schach und er gab mir zum erstenmal eine Bibel zu lesen. Ich habe nichts verstanden aus diesem Buch, wurde nur wütend und warf es in die weiteste Ecke. Nachts wurde ich durch einen Schrei meines Nachbarn geweckt. Er hatte sehr starke Kopfschmerzen nach einem Gehirntrauma. Plötzlich sprang einer von den Gläubigen nach draußen uns blieb lange weg. Als er wieder zurückkam fragte ich ihn, wo er so lange geblieben ist. Darauf antwortete mir dieser ganz einfätig: “Ich habe für Viktor gebetet, er tut mir so leid”. “Was sind das für Menschen?”, dachte ich. “Ich wäre bei dem Frost nie im Leben aus dem Bett gekommen und dann noch so lange beten!” Am nächsten Morgen erwähnte er mit keinem Wort, dass er für den Nachbar gebetet hatte. Ich habe es gemerkt, dass er nicht aus Schein gebetet hat.

Und plötzlich ereilte mich ein Infarkt – es war so ein Schmerz, als ob ein scharfes Messer in meine Brust eingedrungen wäre. Das Erste was ich geschrieen habe war: “Gott lass mich nicht sterben ohne Buße!” Ich habe meinen Stolz vergessen. Als ich zu mir gekommen war, lag ich auf einem Krankenbett. Die Ärzte wunderten sich: “Dass du Wolodja, heute lebst, ist ein echtes Wunder!”. Als ich wieder auf die Beine kam, ging ich sofort zu den Gläubigen. Zuerst waren sie beunruhigt, dachten ich bin wieder gekommen, um sie zu schlagen, doch ich sagte “Wann habt ihr wieder Versammlung, ich will Buße tun.” Von diesem Augenblick an lebe ich mit dem Herrn!

Nach einer Weile habe ich einen Brief mit der Bitte um Begnadigung geschrieben, wo ich mit wenigen Worten begründete: “Wenn ihr mir nicht vergibt, Gott hat mir schon vergeben.” Was denkt ihr? Ich wurde vorzeitig entlassen!

Es ist erstaunlich, doch innerhalb weniger Jahre hat mir Gott alles, was der Satan 30 Jahre gestohlen hat, wieder gegeben. Ich habe eine wunderbare Frau und drei Kinder. Einmal als ich zu einem Evangelisations-Besuch ins Gefängnis kam, nahm ich meinen 2-järigen Sohn mit. Als ich die Bühne im Gefängnisklub betrat, nahm ich meinen Sohn auf die Arme und sagte: “Sieht nur zu, was ich für einen Schatz habe? Jeder von euch kann so einen Kleinen haben. Ihr habt gesagt, ich habe einen Dachschaden, doch ich sage euch, ihr sollt eure Dächer mal reparieren.” Sie schauten mich entgeistert an, als ob sie ihren Augen nicht trauten. Manche schauten zur Seite, manche wollten Schnürsenkel zubinden… Ich wusste aber, dass sie weinten.

Später, als der Gottesdienst zu Ende ging und sie mich zum Ausgang begleiteten, sagte einer von ihnen: “Pass bloß auf und rutsche du nicht mehr ab – du bist unsere letzte Hoffnung”. Ich habe später lange nachgedacht, warum er so etwas gesagt hat. Dann verstand ich, dass wenn ich, als einer, der auf Grund von vier schlimmsten Paragrafen verurteilt worden war, mit dem er mehrere Zisternen von Teein ausgetrunken hatte, aus diesem Leben herausgerissen war, dann haben auch sie eine Chance. Sie sahen den Christus nicht, doch sie sahen den, welchen Christus errettet hat. Das heißt, es ist noch nicht alles verloren und man kann noch etwas zum Besseren verändern. Und das ist das größte Zeugnis. Zu Hause jeden Abend zusammen mit der Frau und meinen drei Söhnen beten wir und bitten: “Herr erbarme Dich der Verbrecher!” Einer meiner Söhne teilte feierlich der Erzieherin im Kindergarten mit: “Mein Papa ist weggefahren, um die Verbrecher zu retten!”. Bevor ich zum nächsten Dienst fahre, bete ich: “Herr, lass dein Wiederkommen erst dann zu, wenn der letzte Verbrecher Buße getan hat!”. Und Gott hört und wartet auf bußfertige Herzen, um ihnen Vergebung zu schenken.

Der Herr verzögert nicht die Verheißung,

wie es einige für eine Verzögerung halten;

sondern er hat Geduld mit euch

und will nicht, dass jemand verloren werde,

sondern dass jedermann zur Buße finde.

2. Petrus 3,9

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